Vom Suchen und Finden

Manchmal nimmt einen das Leben ganz schön in Anspruch und ehe man sich versieht ist ein halbes Jahr vorbei und man selbst hat es gar nicht so richtig mitbekommen. Gerade eben noch ein leckeres Eis geschleckt und auf einmal wacht man auf und draußen ist es kalt und regnerisch. Aber na gut, irgendwann ist es eben an der Zeit sich vom geliebten Sommer zu verabschieden und den neuen Wegbegleiter zu begrüßen: Hallo Herbst! Bevor ich mich allerdings ganz von der warmen Jahreszeit verabschiede, bin ich, wie der aufmerksame Leser vielleicht bemerkt hat, noch eine Kleinigkeit schuldig. Ihr erinnert euch, da war doch was, nämlich meine Monatsaufgabe für das letztes Oberthema „Reise in den Sommer“:

„Organisiere, bzw. werde Teil einer Schnitzeljagd, die quer durch deine Stadt führt.“

Und so komme ich nun endlich dazu aufzuschreiben, woran mich diverse Praktika, eine Hausarbeit und die Bachelorarbeit in den letzten Monaten gehindert haben. Wenn auch ein bisschen verspätet nehme ich euch mit auf eine kleine Reise zurück in den Sommer und auf einen netten Spaziergang quer durch Berlin…

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Traumhafte Aussicht auf die Oberbaumbrücke in Berlin

Ein wenig ratlos blicken wir auf die Oberbaumbrücke. Wo kann er nur sein? Laut Navigationsgerät müsste er sich doch irgendwo hier verstecken. Oder ist etwas grundlegend schief gelaufen und wir befinden uns womöglich am falschen Ort? Immerhin ist es zumindest ein sehr schönen Ort: Er liegt ein wenig abgelegen von der großen Hauptstraße, auf der vielen Passanten gut gelaunt ihrer Wege gehen und bietet einen wunderschönen Blick auf das Wasser. Heute, am Tag der Fête de la Musique, schallt zudem aus einem Ghettoblaster leise Musik. Hierin liegt allerdings auch das Problem: Für unser Vorhaben sind an diesem Ort definitiv zu viele Menschen. So richtig ausgiebig suchen ohne unangenehm aufzufallen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Jetzt allerdings nicht fündig zu werden, das wäre an diesem Punkt wirklich mehr als enttäuschend. Aber wo könnte er sich verstecken, der Schatz? Meine erste Schnitzeljagd durch Berlin droht daran zu scheitern, dass das gesuchte Objekt einfach zu gut versteckt ist…

Drehen wir den Zeiger einige Stunden zurück: Unsere Such beginnt mitten auf der Brücke am Halleschen Tor. Es ist ein traumhafter Sonntag und der bis dahin eher enttäuschende Sommer gibt alles, um uns doch noch für sich einzunehmen. Darüber freuen nicht nur wir uns, sondern auch der Rest der Stadt, der fröhlich zur Fete de la Musique tanzt. Statt mitzutanzen, haben wir allerdings etwas ganz anderes vor: Geocaching. Schon lange stand es auf meiner To-Do-Liste und dank Nicole, einer Arbeitskollegin meiner Mutter, bin ich drauf und dran diesen Punkt abzuhaken. Nicole ist nicht nur eine absolute Expertin in Sachen Geocaching, sondern hat auch unsere heutige Tour geplant.

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Fachkundig, bestens ausgestattet und mit langjähriger Erfahrung: Unser Tourguide Nicole

Zu meiner eigenen Überraschung gibt es Geocaching erst seit gut 15 Jahren. Diese Tatsache ist natürlich weniger erstaunlich, wenn man sich die Entstehungsgeschichte genauer anschaut. Die Kurzfassung lautet in etwa so: Basis der Geocaching-Idee ist das vom US-Amerikanischen Verteidigungsministerium entwickelte Global Positioning System (GPS). Da die USA dieses Satelliten-Navigations-System auch für militärische Zwecke nutzte, wurde es für die zivile Nutzung mit einem künstlichen Fehler versehen, der die Genauigkeit einschränkte. Im Mai 2000 verkündete der damalige Präsident Clinton, dass diese Funktion abgeschaltet wird und um dieses Ereignis zu feiern, versteckte Dave Ulmer einen kleinen Behälter mit Inhalt und veröffentlichte die genaue Position seines Verstecks auf einem Forum, mit der Aufforderung danach zu suchen. Von hier an nahm die Geocaching-Idee ihren Lauf: Was in den USA mit einem kleinen Pott voller Krimskram begann, wurde zu einem in der ganzen Welt äußerst beliebtem Hobby.

Geocaching ist das beste Beispiel dafür, dass gute Ideen nicht immer kompliziert sein müssen. Das Prinzip ist ganz einfach: Jemand versteckt etwas und andere begeben sich auf die Suche danach. Statt der guten alten Schatzkarte bekommen die Suchenden jedoch Koordinaten und Rätsel mit auf die Hand. Quasi die moderne Variante der Schnitzeljad, eine Art „digitale Schatzsuche“. Klingt relativ einfach und durchaus machbar, dachte ich mir.

Geocaching Kottbusser Tor

Der Ausgangspunkt unserer Tour: Die Brücke am Halleschen Tor

Auf der Brücke am Halleschen Tor kommen mir in Punkto Leichtigkeit allerdings die ersten Zweifel. In der Realität bedeutet „digitale Schatzsuche“ nämlich jede Menge Vorbereitung, Hilfsmittel und technische Geräte: Rätselausdruck, GPS-Gerät, Spiegel und sogar Handschuhe zaubert Nicole aus ihrem Rucksack. Sie hat für uns die Brückentour am Landwehrkanaleinen nogenannten „Multicache“, herausgesucht. Bei einem „Multi“, so erklärt uns Nicole, sind die gegebenen Koordinaten der Startpunkt der Suche und nicht das Ziel. Durch das Lösen von Rätseln und Aufgaben ermittelt man die Zielkoordinate. Wem das zu leicht ist, für den gibt es selbstverständlich auch komplizierte Caches – ich sag nur „Mathe-/Physikcache“ oder „Lost Places“. Ich für meinen Teil bin mit Nicoles Wahl allerdings mehr als zufrieden. Die Strecke am Landwehrkanal ist traumhaft schön. Man wandert von Brücke zu Brücke, löst das vorliegende Bilderrätsel und lernt so, ganz nebenbei, Berlin von einer neuen Seite kennen.

Vom Suchen

Vom Suchen…

All zu viel möchte ich über die Strecke nicht verraten, für alle die sie selbst noch erkunden möchten. Nur so viel: die Strecke am Landwehrkanal gehört für mich zu den schönsten Spaziergängen Berlins. An der einen Ecke versteckt sich ein nettes Café, an der anderen beeindruckende Streetart.

Entlang des Weges verstecken sich zum Teil echte Kunstwerke!

Entlang des Weges verstecken sich zum Teil echte Kunstwerke!

Einer meiner absoluten Weg-Highlights war jedoch das Berlin Soul Food. Was hier auf den Tisch kommt, schmeckt einfach! Mit einem leckeren Rhabarber-Bier oder einem frischen Minz-Ingwer Tee, lässt es sich hervorragend ein kleines Päuschen einlegen. Die verlockende Speisekarte tut ihr übriges und bevor man sich versieht, ist man wieder bei neuen Kräften. Wir haben uns für den Pulled Pork Burger und zwei verschiedene Sandwiches (1xAvocado, 1xHühnchen) entschieden. Wirklich grandios!

Berlin Soul Food

Das Berlin Soul Food: Ein wunderbarer Ort zum Verweilen!

Glücklich, gestärkt und äußerst zufrieden kommen wir an unserer letzten Brückenstation an. Trotz einiger Schwierigkeiten entlang des Weges (lasst niemals eure Mutter den Weg navigieren!), waren die Rätsel nicht so schwer wie ich zunächst angenommen hatte. Wir konnten alle Bilder zuordnen und zuversichtlich geben wir unsere errechnete Zielkoordinate in Nicoles GPS-Gerät ein. Gespannt starren wir auf das Display und stellen erfreut fest, dass sich der Punkt ganz in der Nähe befindet. Wir scheinen alles richtig gemacht zu haben. Die Zuversicht schwindet jedoch als wir uns dem Ziel nähern. Und so sind wir wieder am Anfang dieser Geschichte: Ein Ort voller Muggel (ja, ihr lest richtig, so bezeichnen Geocacher Leute, die nicht ins Geocachen eingeweiht sind), verzweifeltes Suchen, und ein Schatz, der nicht gefunden werden will. Scheitern wir an der letzten Hürde?

Zu meiner großen Freude kann ich verkünden: Wir sind nicht gescheitert. Tatsächlich ist es meine orientierungslose Mutter, die eher scherzhaft den entscheidenen Hinweis gibt: „Also ich würde den Cache hier verstecken…“. Wir schauen nach, und tatsächlich, da könnte etwas sein. Nicole zückt ihre Handschuhe. Kurze Stille. Dann ein Jubelschrei: Volltreffer, da ist der Schatz!

Gefunden

… gefunden!


Wenn ihr auch mal Lust habt auf Schnitzeljagd zu gehen kann ich euch diese Strecke nur ans Herz legen. Sie nicht nicht all zu schwierig, hat aber auch ihre kleinen Herausforderungen – für Anfänger, Berlinliebhaber oder einen goldenen Herbstspaziergang also genau das Richtige. Viel Spaß beim Entdecken und vielleicht habt ihr ja auch noch den ein oder anderen Cache oder Tipp für uns?

– B

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1 Kommentar

  1. […] Man nehme eine angesagte Berliner Wohngegend, liebevoll gewähltes Interieur und dazu jede Menge Leidenschaft für hübsch angerichtetes Essen … et voilá, fertig ist das RudiMarie. Um in den Genuss der kleinen Teller-Kunstwerke zu kommen, muss man allerdings etwas Geduld und Zeit mitbringen, denn der knurrende Magen und die Geschwindigkeit, mit der das Essen die Küche verlässt schwingen hier nicht immer unbedingt im gleichen Takt. Aber selten hat sich Warten so sehr gelohnt: Neben hochwertigem Käse und Aufschnitt gibt es eine große Auswahl an saisonalen Früchten und Gemüse. Dazu wird ausreichend Baguette und Brot gereicht, so dass man nach seinem ausgiebigen Frühstücksmahl satt und glücklich den Landwehrkanal entlangspazieren kann. […]

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