Gibt es den Halloumi-Burger eigentlich auch vegan?

In den letzten zwei Jahren meines Nebenjobs als Kellnerin konnte ich etwas Seltsames beobachten: Cafés und Restaurants bewegen Etwas in den Menschen. Sie verändern sie. Aus eigentlich höflichen, liebenswerten und verständnisvollen Mitmenschen werden rachsüchtige, pingelige und von oben herabblickende Gäste. Und was bleibt dir als Kellnerin? „Guten Tag. Tut mir Leid. Auf wiedersehen. Ein schönes Wochenende.“ Aber: Ich habe es satt. Ich habe diese immer gleichen Floskeln so satt.

Ich höre sie schon von weitem. Hedda, Pauli, Karlotta. Im Schlepptau Mami und Papi. Und natürlich die ganzen restlichen Krabbelgruppen-Mamis, samt wuselndem Anhang. Ich mag Kinder. Wirklich. Nur nicht als Kellnerin. Wobei sie dafür nichts können. Wer mich eigentlich stört sind ihre Eltern. Wir sind ein kinderfreundliches Café, ja, so viel sei vorweg schon einmal ausdrücklich betont. Wir haben sogar einen extra Spielbereich für Kinder und ich möchte noch einmal klarstellen, dass ich einem Elternteil in meiner gesamten Laufbahn als Kellnerin noch nie zu verstehen gegeben habe, dass es unwillkommen sei. Der eigentliche Störfaktor ist jedoch -und das scheinen viele der Eltern nicht verstehen (zu wollen?)-, wir sind nicht dazu da auf ihre Kinder aufzupassen. Es ist okay, dass die Kinder spielen und herumtollen. Dafür ja auch die Spielecke. Aber und das würde ich gerne vielen der Eltern ins Gesicht sagen: Passt doch bitte dabei auf sie auf! Natürlich wollt ihr mal entspannen und euch nett unterhalten! Blöd nur wenn die 2-Jährige Hedda von ihren Eltern nicht beachtet durch den Laden flitzt, dabei hinter die Theke rennt und gleich noch in eine Kellnerin reinläuft, die ein volles Tablett balanciert. Das ist nicht nur unerfreulich für die wartenden Gäste, sondern auch ziemlich gefährlich für die kleine Hedda selbst! Ein kinderfreundliches Café ist kein Spielplatz!

So wie im The Barn könnte das dann aussehen mit den Pollern... ganz nebenbei gibt es hier unheimlich leckeren Kaffee. Und diese Stille... hmmm...

So wie im The Barn könnte das dann aussehen mit den Pollern… ganz nebenbei gibt es hier unheimlich leckeren Kaffee. Und diese Stille… hmmm…

Die vielen Kinderwagen die überall herumstehen sind nur ein weiterer Punkt, der irgendwann beginnt an den Nerven zu zehren. Ganz zu schweigen von der unerträglichen Lautstärke. Sogar die Muttis selbst sind manchmal vollkommen entnervt, wenn sie uns darauf hinweisen, dass es in der Kinderecke doch sehr laut sei und zudem auch noch sehr unordentlich. Auf die Idee ihre Kinder nach dem Spielen selbst einmal aufräumen zu lassen, kommt natürlich selten jemand. Ich kann sie mittlerweile so gut verstehen, die Restaurants und Cafés, die Poller vor ihre Läden stellen mit dem Hinweis „Kinderwagen sind hier unerwünscht„. Das würde vieles entspannter machen. Kaum zu fassen, aber wenn Marteria, Yasha und Miss Platnum in ihrem Lied „Kreuzberg am Meer“ singen:

„Musst du wirklich arbeiten, dann zieh nach Moabit (yeah),
Hier führen die Übermütter gegen Raucher Krieg,
Die Glocken voll mit Soja-Milch, das ist das Paradies (yeah)“

kann ich das nur mit einem lauten Hallelujah unterschreiben. Überall Soja-Latte trinkende Übermuttis.

„Ich bin der Grund warum du einen Job hast!“.

Das hat doch tatsächlich wortwörtlich ein Kunde so  zu einer meiner Kolleginnen gesagt. Es ging um Musik, die in unserem Café lief. Er fühlte sich dadurch bei seiner Arbeit am Laptop gestört. (Ich finde wenn man zum Arbeiten in ein Café geht, sollte man sich darauf einstellen, dass es dort etwas lauter sein könnte. Aber was soll’s…) Als meine Kollegin ihn darauf hinwies, dass den anderen Gästen unsere Musik aber gefalle, fing er an sie als frech, unhöflich und vorlaut zu beschimpfen. Und dann fiel dieser Satz. Die scheinbare Erklärung für jedwedes Verhalten. Genauso gut hätte er den Satz auch noch durch folgende Zeilen ergänzen können: Deshalb kann ich mich dir gegenüber so benehmen wie ich will, sie haben gefälligst jede meiner Gemeinheiten zu ertragen und das bitteschön auch noch mit einem freundlichen Lächeln. In Gewisser weise mag er ja Recht haben: Der Kunde ist König. Natürlich bezahlt man auch für einen guten Service und sich über Dinge zu beschweren, die einem nicht gefallen, ist das gute Recht eines jeden Gastes. Aber mal ehrlich, ist es zu viel verlangt, dass er sich dabei wie ein normaler, höflicher Mensch benimmt? Dass er uns, die Kellner und Kellnerinnen, dabei nicht abwertend behandelt? Dass er auch mal Verständnis dafür zeigt, wenn es gerade voll ist und er vielleicht ein paar Minuten auf seine Bestellung warten muss? Dass wir auch nur Menschen sind und uns Fehler passieren? Dass wir genau so mal Etwas vergessen wie wahrscheinlich er selbst und dass wir manchmal einfach nicht mehr machen können als uns zu entschuldigen?

Es gibt da schon verrückte Geschichten. Zum Beispiel Frau B. Sie beschwert sich wirklich jedes Mal! Immer über die gleichen Dinge, bei jeder Person vorsorglich drei Mal und kommt dennoch immer wieder. Sie hat Extrawünsche, ist unhöflich und regt sich über jede Kleinigkeit ungerechtfertigt auf. Und trotzdem kommt sie wieder! Mehrmals die Woche. Als der Chef ihr Hausverbot erteilte, flehte sie ihn regelrecht an wiederkommen zu dürfen. Unbegreiflich. Oder dieser eine Mann. Er musste 9,50 zahlen, zückte sein Portemonnaie und reichte mir einen 500 Euro-Schein. Als ich ihm mitteilte, dass ich den nicht annehmen dürfe und nicht wechseln könne, schaute er mich ohne einen Ton zu sagen an, durchwühlte sein Portemonnaie in dem sich nur weitere 500 Euro Scheine befanden und reichte mir schließlich wortlos seine EC-Karte. Trinkgeld 10 Cent. Unbegreiflich. Oder all diese Exrawünsche und Nachfragen. Ist der Haloumi-Burger eigentlich vegan? Gibt es auch fettarme Milch? Wäre es möglich den Milchkaffee mit laktosefreier Milch und entkoffeiniert zu bekommen? Einfach unbegreiflich.

Versteht mich nicht falsch, ich bin dankbar für all diese WLan-Diebe, Lattemacchiato-Mütter und unfreundlichen Menschen. Immerhin finanzieren sie mir letztendlich ja mein Studium. Aber irgendwann reicht es mit diesem ganzen „Gerne doch! Aber natürlich! Entschuldigen Sie bitte! Kommt sofort“. Irgendwann muss man mal die Wahrheit loswerden und das, was man eigentlich gerne antworten würde, festhalten. Als gute Kellnerin, natürlich lieber schriftlich. Bleibt zum Schluss eigentlich nur noch zu sagen, dass es selbstverständlich auch nette Gäste gibt. Die scheinen aber zunehmend vor unseren unhöflichen Gästen zu flüchten und in anderen Cafés die Ruhe zu genießen. Irgendwie kann ich sie verstehen.

-B

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